Christentum und Cannabis.

Christentum und Cannabis.

1. Die "Kiffer-Jesus"-Theorie

Es gibt da diese eine Theorie, die in der Szene total beliebt ist: In der Bibel (Exodus) ist die Rede von einer Zutat für das heilige Salböl namens „Kaneh Bosm“.

  • Die Idee: Manche Forscher sagen, das Wort klinge verdächtig nach "Cannabis".
  • Die Konsequenz: Wenn das stimmt, wäre Jesus im wahrsten Sinne des Wortes „high-lig“ gewesen, weil er mit diesem Zeug gesalbt wurde. Die meisten Theologen halten das zwar für eine gewagte Interpretation, aber als Gesprächsstoff am Lagerfeuer ist es unschlagbar.

2. Was sagt die "Chef-Etage"?

Die offizielle Haltung der Kirchen ist eher... konservativ-skeptisch.

  • Katholische Kirche: Papst Franziskus ist da ziemlich deutlich: „Nein zu jeder Art von Droge.“ Für die katholische Kirche ist der Rausch meistens eine Flucht vor der Realität, und man soll das Leben lieber „pur“ und nüchtern bewältigen.
  • Evangelische Kirche: Hier ist es ein bisschen wie bei einer Familienfeier – jeder hat eine andere Meinung. Die einen sagen: „Hey, Gott hat alle Pflanzen erschaffen (Genesis 1,29), also auch Hanf.“ Die anderen warnen vor allem vor den Gefahren für Jugendliche und finden die Legalisierung eher so mittelgut.

3. Das Dilemma: Körper vs. Schöpfung

In der christlichen Community gibt es zwei Lager, die sich mit Bibelversen bewerfen:

  • Team "Gottes Geschenk": Die sagen, Hanf ist Natur, und Natur ist gut. Wenn Gott es wachsen lässt, warum sollte es dann eine Sünde sein?
  • Team "Tempel-Reiniger": Die zitieren Paulus: „Euer Körper ist ein Tempel.“ Und in einen Tempel schüttet man kein Gift und vernebelt ihn auch nicht. Wer bekifft ist, verliert die Kontrolle, und „Nüchternheit“ ist im Christentum eigentlich eine Tugend.

4. Medizin? Daumen hoch!

Wo sich fast alle Christen einig sind: Wenn’s hilft, ist es okay. Cannabis als Medizin wird kaum noch kritisiert. Wenn jemand krasse Schmerzen hat und Hanf hilft, sieht man das als Segen und nicht als Sünde.

Kurz gesagt: Die meisten Kirchen finden „Kiffen aus Spaß“ nach wie vor eher uncool, weil man geistig fit bleiben soll. Aber die harte „Alles Teufelszeug“-Einstellung bröckelt langsam, besonders wenn es um Medizin oder die reine Entkriminalisierung geht.

Schauen wir uns mal die „exotischeren“ Ecken des Christentums an. Es gibt nämlich tatsächlich Leute, die Gebetbuch und Longpapes unter einen Hut bringen.

Hier sind ein paar spannende Beispiele für christliche Gruppen und Bewegungen, die pro Cannabis eingestellt sind:

1. Die Rastafari (Die offensichtlichste Verbindung)

Auch wenn man sie oft als eigene Religion sieht: Rastafari verstehen sich selbst als Ur-Christen.

  • Das Argument: Sie beziehen sich direkt auf die Bibel (Psalm 104,14: „Er lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Dienst des Menschen“).
  • Der Vibe: Für sie ist Cannabis („Ganja“) ein heiliges Sakrament, das sie Gott (Jah) näher bringt. Es geht nicht um Party, sondern um Meditation und Erkenntnis.

2. „Christians for Cannabis“ (USA)

In den USA, wo die Legalisierung schon weiter ist, gibt es richtige Aktivisten-Gruppen wie „Christians for Cannabis“.

  • Ihr Motto: „Gott hat die Pflanze gemacht, der Mensch das Gesetz.“
  • Was sie tun: Sie kämpfen vor allem dafür, dass kranke Menschen ohne schlechtes Gewissen kiffen dürfen. Sie argumentieren, dass Jesus Kranke geheilt hat und es unchristlich wäre, Menschen eine natürliche Medizin vorzuenthalten.

3. „The Stoner Psalter“ & Progressive Christen

Im Internet und auf Social Media gibt es eine wachsende Szene von jungen, progressiven Christen (oft unter Hashtags wie #LiturgyAndLibations oder #ChristianCannabis zu finden).

  • Die Logik: Sie vergleichen Cannabis mit Wein. In der Bibel wird Wein oft als Segen gefeiert, der das Herz des Menschen erfreut. Ihr Argument: „Wenn Jesus Wasser in Wein verwandelt hat, warum sollte er dann ein Problem mit einer Pflanze haben, die einen ähnlich entspannenden Effekt hat?“

4. Die „Leuchtturm“-Gemeinden (Deutschland)

In Deutschland gibt es zwar kaum eine Gemeinde, die das Kiffen im Gottesdienst erlaubt, aber es gibt immer mehr Pastoren (vor allem in Berlin oder Hamburg), die sagen:

Wir müssen aufhören, Kiffer zu stigmatisieren. Wer zur Ruhe kommen will und dabei Cannabis nutzt, sündigt nicht mehr als jemand, der abends sein Feierabendbier trinkt.“

Warum machen die das?

Die Kernargumente dieser Gruppen sind fast immer:

  1. Gott macht keine Fehler: Wenn Hanf auf der Erde wächst, hat das einen Grund.
  2. Nächstenliebe: Kriminalisierung zerstört Leben (Knast, Jobverlust). Das finden diese Gruppen viel „un-christlicher“ als das Kraut selbst.
  3. Spiritualität: Manche sagen, das High-Sein hilft ihnen, beim Beten weniger abgelenkt zu sein und sich mehr auf das „Große Ganze“ zu konzentrieren.

Siehe auch: "Die komplexe Beziehung zwischen Buddhismus und Cannabis". oder "Mehr als nur Reggae: Die spirituelle Welt der Rastafarians"

Onehitter wünscht euch schöne, entspannte Feiertage. 

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