Mehr als nur Reggae: Die spirituelle Welt der Rastafarians.

Mehr als nur Reggae: Die spirituelle Welt der Rastafarians.

Wer an Rastafari denkt, hat oft sofort bunte Farben, Dreadlocks und entspannte Musik im Kopf. Doch hinter der Ästhetik verbirgt sich eine tiefgründige spirituelle Bewegung, die Anfang der 1930er-Jahre auf Jamaika entstand. Für Rastas (wie sie sich oft selbst nennen) ist ihr Glaube keine klassische Religion, sondern eine Lebensweise – die sogenannte Livity.

In diesem Artikel schauen wir uns zwei Aspekte genauer an, die oft missverstanden werden: Warum Cannabis für sie heilig ist und wie sie das Weihnachtsfest feiern.

Das „Heilige Kraut“: Warum Cannabis so wichtig ist.

Entgegen der weitläufigen Meinung nutzen Rastafarians Cannabis (oft Ganja genannt) nicht zum bloßen Vergnügen oder zur Party-Unterhaltung. Für sie ist die Pflanze ein Sakrament – ein heiliges Mittel zur Kommunikation mit Gott (Jah).

1. Das Kraut der Erkenntnis

Rastas bezeichnen Cannabis oft als „Wisdom Weed“ (Kraut der Weisheit). Sie glauben, dass der Konsum den Geist öffnet, das Ego dämpft und es dem Einzelnen ermöglicht, über tiefe spirituelle Wahrheiten nachzudenken. Dies geschieht oft in rituellen Sitzungen, den sogenannten Reasonings, bei denen gemeinsam geraucht und über Philosophie, Geschichte und Gott debattiert wird.

2. Biblische Rechtfertigung

Die spirituelle Nutzung ist fest in ihrer Interpretation der Bibel verankert. Rastas zitieren oft Stellen wie:

„...und du sollst das Kraut des Feldes essen.“ (Genesis 3:18)

„Die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker.“ (Offenbarung 22:2)

3. Heilung und Reinigung

Cannabis gilt als „Healing of the Nation“. Es wird nicht nur geraucht, sondern auch in Tees oder als Medizin verwendet. In der Philosophie der Ital-Erntährung (rein natürliche, oft salzlose und vegane Nahrung) passt Cannabis perfekt als reines, unverarbeitetes Geschenk der Natur ins Bild.

Weihnachten bei den Rastafaris: Ganna statt Kommerz

Während der Großteil der westlichen Welt am 24. und 25. Dezember feiert, sieht das Fest bei vielen Rastafarians anders aus. Das liegt an ihrer engen Verbindung zu Äthiopien und Kaiser Haile Selassie I., den sie als göttlich verehren.

Das Datum: 7. Januar

Die meisten Rastas lehnen das kommerzielle Weihnachtsfest im Dezember als Teil des „Babylon-Systems“ (der materialistischen westlichen Welt) ab. Stattdessen orientieren sie sich am äthiopisch-orthodoxen Kalender. Das Weihnachtsfest wird daher am 7. Januar gefeiert und heißt Ganna (oder Genna).

So wird gefeiert:

  • Spiritueller Fokus: Es gibt keine blinkenden Plastikbäume oder Geschenkeschlachten. Stattdessen stehen Gebete, Trommelzeremonien (Nyabinghi) und Gesang im Vordergrund.
  • Kleidung: Man trägt oft traditionelle weiße Gewänder mit den Farben Rot, Gold und Grün.
  • Das Festmahl: Es wird gemeinsam gegessen, meist streng Ital. Ein typisches Gericht ist zum Beispiel ein Eintopf aus Kokosmilch, Kürbis, Bohnen und frischen Kräutern, serviert mit Kochbananen.
  • Besinnung statt Konsum: Weihnachten (oder „Christ-mas“) wird als Zeit der Besinnung auf die Geburt Jesu (den sie als einen Vorfahren Selassies sehen) und die Befreiung des Geistes verstanden.

Fazit

Rastafari zu sein bedeutet, die Natur zu ehren und sich gegen Unterdrückung aufzulehnen. Cannabis ist dabei ihr spiritueller Kompass, und Weihnachten eine Rückkehr zu den afrikanischen Wurzeln. Es ist eine Kultur, die uns daran erinnert, dass wahrer Reichtum nicht in Geschenken unter einem Baum liegt, sondern in der Verbindung zu sich selbst und der Schöpfung.

Was bedeutet Ital-Küche?

Die Ital-Küche ist nämlich nicht nur gesund, sondern ein tiefgreifender Teil der spirituellen Philosophie der Rastafarians.

Das Wort „Ital“ leitet sich von „Vital“ ab. Die Grundregel lautet: Die Nahrung soll die Lebensenergie steigern und so natürlich wie möglich sein.

Die goldenen Regeln der Ital-Küche:

  • Kein Salz: Natrium wird oft als künstlicher Zusatz abgelehnt. Stattdessen nutzt man Kräuter und Kokosmilch für den Geschmack.
  • Kein Fleisch: Die meisten Rastas leben streng vegan, da sie keine „toten Energien“ zu sich nehmen wollen.
  • Keine Chemie: Keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder stark verarbeitete Produkte.
  • Kein Alkohol: Getränke sind meist natürliche Säfte oder Kräutertees.

Hier sind zwei klassische Rezepte, die du leicht nachkochen kannst:

1. Das Herzstück: Ital Stew (Bunter Eintopf)

Dieser Eintopf ist das absolute Grundnahrungsmittel. Er ist cremig, sättigend und voller Vitamine.

Zutaten:

  • 1 Dose Kokosmilch (oder frisch gepresst)
  • 2 Süßkartoffeln oder Yams
  • 2 Kochbananen (Plantains)
  • Eine Handvoll Kürbiswürfel
  • 1 Tasse rote Linsen oder Kidneybohnen
  • Frischer Thymian, Frühlingszwiebeln, Knoblauch

Wichtig: Eine Scotch Bonnet Chili (ganz mitkochen, nicht aufschneiden, nur für das Aroma!)

Zubereitung:

  • Die Kokosmilch in einem großen Topf zum Köcheln bringen.
  • Das feste Gemüse (Süßkartoffeln, Kürbis) und die Linsen dazugeben.
  • Thymian, Knoblauch und die ganze Chili oben drauflegen.
  • Etwa 20–30 Minuten köcheln lassen, bis alles weich ist und die Kokosmilch zu einer dicken Sauce reduziert ist.
  • Die Chili vor dem Servieren vorsichtig herausnehmen.

2. Der Durstlöscher: „Sorrel Juice“ (Hibiskus-Getränk)

Dieses leuchtend rote Getränk ist besonders beliebt zu feierlichen Anlässen wie Ganna (Weihnachten).

Zutaten:

  • Getrocknete Hibiskusblüten (Sorrel)
  • Frischer Ingwer (reichlich!)
  • Ein paar Nelken und eine Zimtstange
  • Etwas Agavendicksaft oder brauner Zucker zum Süßen (optional)

Zubereitung:

  • Die Hibiskusblüten zusammen mit dem geriebenen Ingwer, Nelken und Zimt in Wasser aufkochen.
  • Den Topf vom Herd nehmen und die Mischung mehrere Stunden (am besten über Nacht) ziehen lassen.
  • Abseihen und kalt servieren. Es schmeckt extrem erfrischend und wirkt blutdrucksenkend.

Ein kleiner Tipp für den authentischen Geschmack:

Rastafarians nutzen oft „Pimento“ (Pimentkörner), die auf Jamaika heimisch sind. Wenn du diese zusammen mit viel frischem Thymian verwendest, riecht deine Küche sofort nach der Karibik.

Egal an was du glaubst. Schöne Feiertage und viel Liebe wünscht onehitter.de. 

Danke an islandoutpost.com für die Fotos.

 


 

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