Erleuchtung oder Benebelung? Buddhismus und Cannabis im Check
In der modernen Wellness- und Spiritualitätsszene werden Meditation und Cannabis oft in einem Atemzug genannt. Doch wie sieht das eigentlich aus der Sicht der jahrtausendealten buddhistischen Lehre aus? Ist das "High" eine Abkürzung zum Nirwana oder ein Hindernis auf dem achtfachen Pfad?
Die traditionelle Sicht: Das fünfte Sila
Wer sich mit dem Buddhismus befasst, stößt unweigerlich auf die fünf Silas (Sittlichkeitsregeln). Das fünfte Gelübde besagt traditionell:
„Ich gelobe, mich der berauschenden Mittel zu enthalten, welche die Achtsamkeit trüben.“
Dazu zählen klassischerweise Alkohol und Drogen. Der Kernpunkt ist hier die Achtsamkeit (Sati). Im Buddhismus ist der klare, ungetrübte Geist das wichtigste Werkzeug. Da Cannabis die Wahrnehmung verändert und oft zu Schläfrigkeit oder geistiger Zerstreuung führt, lehnen die meisten traditionellen Schulen (wie Theravada oder Zen) den Konsum ab.
Gibt es Ausnahmen? Medizin und Tantra
Wie so oft gibt es auch hier Nuancen:
- Medizinische Anwendung: In fast allen buddhistischen Traditionen ist der Gebrauch von Substanzen erlaubt, wenn sie der Heilung dienen. Wenn Cannabis also als Medizin gegen Schmerzen oder Krankheit eingesetzt wird, verstößt dies in der Regel nicht gegen die ethischen Richtlinien.
- Vajrayana (Tibetischer Buddhismus): In einigen tantrischen Ritualen wurden historisch gesehen psychoaktive Substanzen in sehr spezifischen, rituellen Kontexten genutzt, um festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen. Dies ist jedoch die absolute Ausnahme und findet unter strengster Anleitung statt.
Cannabis und Meditation: Ein hilfreiches Duo?
Viele Menschen berichten, dass Cannabis ihnen hilft, "runterzukommen" oder sich tiefer auf eine Meditation einzulassen. Doch Buddhisten unterscheiden hier scharf zwischen Entspannung und Einsicht.
Die Vorteile (aus Sicht von Konsumenten):
- Körperliche Entspannung: Es fällt leichter, stillzusitzen.
- Intensivere Sinneswahrnehmung: Klänge oder Atemzüge werden deutlicher wahrgenommen.
Die Kritikpunkte (aus buddhistischer Sicht):
- Die "Krücke": Wenn man nur mit Cannabis meditieren kann, entwickelt man eine Abhängigkeit. Wahre Freiheit bedeutet im Buddhismus, unabhängig von äußeren Bedingungen inneren Frieden zu finden.
- Fehlende Klarheit: Das durch Cannabis erzeugte Glücksgefühl ist eine Form von "künstlichem Samadhi". Es fühlt sich tief an, aber die für die Befreiung nötige messerscharfe Klarheit fehlt oft.
- Flucht statt Konfrontation: Meditation dient dazu, den Geist so zu sehen, wie er ist – auch wenn er unruhig oder schmerzhaft ist. Cannabis kann dazu führen, dass man unangenehme Wahrheiten einfach "weglächelt".
Fazit: Ein Werkzeug, aber kein Ziel
Zusammenfassend lässt sich sagen: Während Cannabis in der westlichen "Spirit-Szene" oft als Türöffner gilt, bleibt der traditionelle Buddhismus skeptisch. Das Ziel der Meditation ist nicht ein veränderter Bewusstseinszustand, sondern das Erwachen in der Realität, so wie sie ist.
Wer Cannabis konsumiert, sollte dies – ganz im Sinne Buddhas – mit großer Selbstehrlichkeit tun.
Die Lösung: Ich meditiere wohl weiterhin stoned oder direkt nach dem Aufstehen und höre beim Yoga Wu-Tang, weil es mir gefällt. Mir macht das große Freude und ich bin bestimmt nicht alleine mit dem Konzept. Nennen könnt ihr es wie ihr möchtet.
Schöne Feiertage mit allem was für euch dazu gehört. Thank`s onehitter.de



