Islam und Weed

Islam und Weed

Cannabis und der Islam – ein Thema, das oft kontrovers diskutiert wird. Während die offizielle theologische Linie meist sehr streng ist, zeigt die Geschichte und die heutige Lebensrealität ein weitaus differenzierteres Bild.

Cannabis im Islam: Zwischen religiösem Verbot und kultureller Realität

Die Debatte um die Legalisierung von Cannabis erreicht immer mehr Länder – auch solche mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Doch wie steht der Islam eigentlich zu der „grünen Pflanze“? Ist sie haram (verboten) wie Alkohol, oder gibt es Grauzonen?

1. Die offizielle Meinung: Was sagen die Quellen?

Im Koran selbst wird Cannabis nicht explizit erwähnt. Dennoch ziehen Gelehrte klare Schlüsse aus den vorhandenen Texten:

  • Das Khamr-Verbot: Der Koran verbietet Khamr (ursprünglich Wein, heute als Sammelbegriff für Rauschmittel verstanden). Da Cannabis das Bewusstsein trübt und den Verstand „verschleiert“, wird es von der großen Mehrheit der Rechtsschulen (Madhabs) als haram eingestuft.

  • Die Hadithe: Überlieferungen des Propheten Muhammad besagen: „Jedes Berauschende ist verboten, und was in großen Mengen berauscht, ist auch in kleinen Mengen verboten.“ Dies ist das Hauptargument gegen den Freizeitkonsum.

  • Die Gelehrtenmeinung: Seit dem 13. Jahrhundert, als der Konsum in der islamischen Welt zunahm, verfassten Gelehrte zahlreiche Fatwas (Rechtsgutachten), die Cannabis (oft als Haschisch bezeichnet) aufgrund seiner gesundheitsschädlichen und sozialen Auswirkungen ächteten.

2. Die Ausnahme: Medizinisches Cannabis

Wie in vielen Bereichen des islamischen Rechts gilt auch hier: Notwendigkeit hebt Verbote auf.

Wenn ein Medikament nachweislich zur Heilung oder Schmerzlinderung beiträgt und es keine vergleichbare halal-Alternative gibt, kann der Einsatz von medizinischem Cannabis erlaubt sein. Dies muss jedoch durch einen Arzt verordnet und darf nicht zum reinen Vergnügen missbraucht werden.

3. CBD: Eine Grauzone?

CBD (Cannabidiol) wird oft anders bewertet, da es keine psychoaktive Wirkung hat.

  • Halal: Viele moderne Gelehrte stufen CBD-Öle als zulässig ein, sofern sie kein THC enthalten und die Herstellung (z. B. ohne Alkohol-Extraktion) den Reinheitsgeboten entspricht.

  • Makruh (verpönt): Manche sehen den Konsum kritisch, da er dem Rauchen ähnelt oder die Gefahr einer Verwechslung mit illegalen Substanzen birgt.

4. Wie wird es gelebt? Eine Reise durch die Geschichte und Gegenwart

Trotz des offiziellen Verbots hat Cannabis in vielen muslimisch geprägten Regionen eine lange Tradition:

Der Sufismus und die Mystik

In der Geschichte der Sufis (der mystischen Strömung im Islam) spielte Cannabis zeitweise eine Rolle. Einige Orden nutzten es als Hilfsmittel, um in spirituelle Ekstase zu verfallen oder die Meditation zu vertiefen. Berühmt ist die Legende des Sufi-Meisters Haydar, der die Pflanze im 12. Jahrhundert wiederentdeckt haben soll.

Regionale Traditionen

In Ländern wie Marokko (Rif-Gebirge), Afghanistan oder Pakistan ist der Anbau und teilweise auch der Konsum von Haschisch tief in der lokalen Kultur verwurzelt. Hier existiert oft eine Trennung zwischen der strengen Religion in der Moschee und der gelebten Alltagskultur auf den Feldern oder in den Teehäusern.

Die moderne muslimische Jugend

In westlichen Gesellschaften stehen junge Muslime vor dem Dilemma zwischen religiösen Werten und dem gesellschaftlichen Trend zur Legalisierung. Während viele den Konsum strikt ablehnen, argumentieren andere (oft in liberaleren Online-Communities), dass Cannabis weniger schädlich sei als der Gesellschaftlich oft toleriertere Tabak oder anderes ungesundes Verhalten.

Fazit: Die offizielle islamische Lehre betrachtet Cannabis als Rauschmittel und stuft es daher als verboten ein. In der Lebensrealität – ob aus medizinischen Gründen, historischen Traditionen oder moderner Neugier – findet die Pflanze jedoch ihren Weg in den Alltag vieler Gläubiger.

onehitter.de wünscht euch allen eine schöne Zeit. Egal an was ihr glaubt.  

 

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